Risiken und Nebenwirkungen

Vor kurzem las ich einen Bericht in der Tageszeitung „So gut sind Hamburg’s Kliniken“ und musste feststellen, das genau die Klinik in der ich die letzten drei Tage verbracht habe in der unteren Kategorie der Zufriedenheitsstudie liegt.  Jetzt ist mir einiges klar……

Nebenbei gesagt wurde ich im Grunde genommen noch nicht mal vor der bevorstehenden OP über die wirklichen Risiken aufgeklärt – wohl mit dem Hintergedanken der Klinik, das man ja später den Patienten noch etwas dabehalten könne.  Dies geschah dann ja auch tatsächlich, nachdem man mich erstmal nach hause geschickt hatte und der freundlich grinsende Assistenzarzt mitten in der Nacht in der Notaufnahme sich freute mich wiederzusehen.

Von wegen einem schmerzgeplagten Patienten erstmal ein Infusion mit schmerzlindernden Mitteln zu geben. Nix da! Der Patient muss leiden und alles hinnehmen. Eine örtliche Betäubung mit Hausmitteln langt doch vollkommen. Einige Ärzte scheinen eine sadistische Ader zu besitzen und erfreuen sich daran, wenn der Kunde (Patient) vor Schmerzen schreit.

Als Privatpatient sollte man eigentlich erwarten, das man umsorgt wird, finde ich.  Ok, ich wurde gefragt, ob ich ein Einzelzimmer mit Meerblick will – wobei allerdings keins frei war – und das Meer war gerade mal auf Urlaub.  Ein Zweibettzimmer mit einem  Opa drin tat es denn auch. Manno, hat der Kerl geschnarcht und seine Bronchitis ausgehustet. Ich dachte, ich bin im falschen Film. Gottseidank musste ich den nur einen Tag ertragen.

Und dann die Tagschwester mit ihrer brubbligen Art – der musste man jedes Wort aus den wulstigen Lippen kitzeln. Auch am zweiten Tag hatte die permanent schlechte Laune – wohl einen Alptraum gehabt oder auf einem Nagelbett geschlafen?

Gegen Mittag kam jeden Tag die Reinigungskolonne mit  Imigrationshintergrund. Die Böden wurden fachgerecht mit Desinfektionsreiniger gewischt – schnell musste es gehen. Und dabei wurden reichlich Stellen übersehen. Der Lappen huschte über die Fensterbank und die Bettgestelle. Ich wette, das bei einer Kontrolle auf Bakterien davon noch reichlich nach der Reinigung vorhanden waren. Insofern habe ich selbst die überall bereitstehenden Desinfektionsautomaten ausgiebig genutzt und auch mein Bett, die Türklinke (hatten die gar nicht abgewischt!) und das Waschbecken gereinigt.  Die haben es nicht mal geschafft zumindest mal den Seifenspender im Bad aufzufüllen.

Da ich ein „Notfall“ war und weder Handtuch noch Duschgel und Waschlappen mit hatte, fragte ich erst die Nachtschwester (die war richtig nett) und die Tagschwester nach demselben.  Und was habe ich bekommen?  Erstmal eine Packung Papiertücher zum abtrocknen; dann ein Duschgel, das irgendein Patient mal im Zimmer vergessen hatte; eine verpackte Zahnbürste mit Becher, aber keine Zahnpaste (vielleicht sollte ich das Duschgel zum Zähne putzen nehmen!?).  Normalerweise müssen die für Notfallpatienten doch sowas vorrätig haben. Natürlich nicht!

Tagsüber tötliche Langeweile, obwohl ein Fernseher an jedem Bett vorhanden war.  Ok, ich konnte gucken, aber nicht hören. Dazu war ein Kopfhörer erforderlich, den es allerdings nicht im Zimmer gab. Man musste den mieten – und natürlich bezahlen. Frechheit!!  Der Assistenzarzt (Chefarzt hatte Urlaub) bei der Morgenvisite wies deutlich darauf hin, das man sich bewegen sollte, wenn man nicht bettlägerig war.  Auch gut. Somit gab es die Möglichkeit die Gänge hinauf und hinunter zu gehen. Toller Zeitvertreib, aber auch so kriegt man eine Stunde rum.

Ich dachte „ich kaufe mir mal eine Zeitschrift“. Fehlanzeige, denn sowas gab es dort nicht. Nur ganz zufällig fand ich im Cafe – ja, sowas haben die da – eine Bildzeitung von gestern.  Gestern war schon, aber was zu lesen war es.  Wenigstens konnte ich draussen auf dem Taxistand mal ein Zigarettchen rauchen – ist ja auch was. Träge verging die Zeit.

Endlich war meine Entlassung da. Schön und gut, aber ohne Bürokratie geht das ja auch nicht.  Der Entlassungsbrief musste geschrieben werden – dauerte ganze zwei Stunden. Letztendlich fehlte noch die Unterschrift der Oberarztes – der war jedoch in Urlaub – sein Vertreter musste ran, stand aber im OP.  Also nochmal eine Stunde warten bis ich endlich diese ungastliche Stätte verlassen durfte.  Wenigstens bekam ich noch Mittagessen, denn es war ja schon Mittag und der Magen knurrte so vor sich hin. Womit natürlich ein halber Tag zusätzlich abgerechnet werden kann.

Wenn ich es mir aussuchen kann, gehe ich da nicht mehr hin……

 

2 Gedanken zu „Risiken und Nebenwirkungen“

  1. Geh mal für 10 Wochen auf eine normale Station, dann wird dir das hier vorkommen wie Lustwandeln auf dem Lande.

    Weine nicht, willkommen in der Realität.

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