Einfach ich

Wer und was bin ich?

Oh, das weiss ich selbst nicht so genau. Mal sieht man mich als Frau und mal als Mann. Neudeutsch nennt man das Transmensch.

Es begab sich zu der Zeit……., aber ich will hier kein Märchen schreiben. Meine Eltern hatten damals eine Landwirtschaft vor den Toren Hamburgs. Eines schönen Tage im Herbst war das grosse Ereignis: unsere erste Kuh bekam ein Kalb. Und ja, am ebendiesem Tag wurde auch ich geworfen. Mein Egomane von Vater musste sich entscheiden bei wem er wachen wollte. Er entschied sich für die Kuh und rief für meine Mutter und mich eine Hebamme zur Hilfe. Genau zur gleichen Zeit wie die Kuh, kam ich zur Welt. Was soll uns das jetzt sagen? Nix, war eben ein Zufall.
Zur Feier des Tages pflanzte mein Vater am Folgetag meinen Geburtsbaum in den Garten.

Mein weiteres Leben verlief ebenso ereignisreich, denn nach der Schule durfte ich ein ganzes Jahr eine Lehre als Tischler machen. Dazu hatte ich jedoch keinen Bock und wechselte auf die Landwirtschaftsschule. Mit einem Diplom in der Tasche harrte ich der Dinge, die nun kommen sollten – sie kamen aber nicht. Mein Vater gab aus gesundheitlichen Gründen die Landwirtschaft auf und ich machte „Nase“. Also umschulen zum Kaufmann – nochmal zwei Jahre lernen. Mit einem Kaufmannsgehilfenbrief war ich dann für meine Karriere gerüstet. Wer hat denn auch eine Diplom für Viecher und Feldfrüchte und dann noch einen Freibrief für den Posten als Oberbuchhalter? Ich – stolz wie Oskar!

Nach vielen Jahren im muffigen Büro, zwischen Druckertinte und Papier zog es mich in die Welt hinaus. Gute Freunde hatte ich in Irland…. dort war ich dann einige Jahre als Mädchen für alles zugange. In meiner Freizeit hatten es mir die alten Schlösser und Burgen angetan – vor allem des Nachts, wenn der Mond sein volles Gesicht zeigte. Hier wurde nun der Hang zum Mystischen und Dunklen geboren. Gleichzeitig verwandelte ich mich zum Weichei und kleidete mich vorwiegend weiblich. Wie ich feststellen musste gab es wesentlich mehr flippige dunkle Kleidung für weibliche Wesen, und ich hatte sowieso keinen Bock mehr auf schlecht sitzende Jeans und Hemden, Krawatte und Sakko.

Nachdem ich wieder in meiner Heimatstadt Hamburg war, versuchte ich mich als Gründer einer kleinen Werbefirma für landwirtschaftliche Produkte, musste aber feststellen, das mit der Zeit dieser Job nicht meine Erfüllung war. Ok, Kohle konnte ich verdienen, aber richtig Spaß hat es mir nie gemacht.

Was habe ich noch so gemacht in meinem Leben? Na ja, ich war Verkaufsfahrer, Drücker, Berater, Sachverständiger, Buchhalter, Unternehmesberater, Hartz-IV-Empfänger (nach einer Firmenpleite) und Auslieferungsfahrer.

Heute bin ich Kurierfahrer – es macht mir tierischen Spaß – und nebenbei verticke ich Mittel für den Jungbrunnen. Allerdings habe ich nie den Hang zum dunklen Leben und meinen Tick mich als Frau zu verkleiden verloren.

Nun ist es doch ein Märchen geworden – oder nicht?

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Aus dem Leben gegriffen